Nahversorgung 2.0: Chancen für ländliche Gemeinden mit vollautomatisierten Verkaufsstellen

Vollautomatisierte Verkaufsstellen eröffnen neue Perspektiven für die Nahversorgung im ländlichen Raum. Sie ermöglichen wohnortnahes Einkaufen auch dort, wo klassische Dorfläden oder kleine Supermärkte verschwinden. Gleichzeitig bieten sie Ratsfraktionen einen guten Anlass, die Zukunft der Nahversorgung im eigenen Ort auf die politische Agenda zu setzen.

Supermärkte ohne Verkaufspersonal: Nahversorgung sichern

In ländlichen Regionen ist die Nahversorgung zunehmend herausfordernd. Kleinere Supermärkte schließen, die Wege zur nächsten Einkaufsmöglichkeit werden länger. Die Digitalisierung eröffnet neue Möglichkeiten, um Versorgungslücken zu schließen. Vollautomatisierte Verkaufsstellen bieten flexible Einkaufsmöglichkeiten dort, wo klassische Strukturen des Einzelhandels an Grenzen stoßen. Sie stärken die lokale Wirtschaft und Landwirtschaft. 

Wir zeigen auf, welche Handlungsspielräume Kommunalpolitikerinnen und -politiker haben, um diese Angebote in ihrer Gemeinde gezielt zu fördern.

Was ist möglich? Selbstbedienungs-Supermärkte, Hofläden und Regiomaten

Vollautomatisierte Supermärkte ohne Verkaufspersonal sind eine innovative Lösung, um die Nahversorgung in ländlichen Regionen sicherzustellen, in denen klassische Supermärkte nicht rentabel sind. Sie ermöglichen Bürgerinnen und Bürgern vor Ort einfachen Zugang zu Lebensmitteln und Alltagsprodukten. Dieses Modell ist vor allem für kleine Supermärkte interessant. Ein Beispiel dafür ist das Franchise Unternehmen Tante M, zu dem bereits über 50 Standorte in Baden-Württemberg zählen. Hier können Kunden selbst ihren Einkauf zusammenstellen, wie in einem normalen Supermarkt. Die Abrechnung an der Kasse nehmen sie dann aber selbst vor. 

Auch Hofläden profitieren von vollautomatisierten Modellen um ihre Waren zu verkaufen. In Waldshut-Tiengen beispielsweise können Kunden Hofprodukte bei „Berta“, einer robotergesteuerten Verkaufsstelle, kaufen. 

Regiomaten sind Verkaufsautomaten, mit denen regionale Produkte wie Milch, Eier, Käse, Fleisch, Honig und Brot direkt vom Erzeuger angeboten werden. Sie stärken landwirtschaftliche Betriebe und fördern Nachhaltigkeit durch kurze Lieferketten.

Rechtlicher Rahmen für die Selbstbedienungs-Supermärkte

Dass die Selbstbedienungs-Supermärkte auch an Sonn- und Feiertagen geöffnet haben wurde vor allem von Gewerkschaften und Kirchen kritisiert. Aus Sicht der Unternehmer ist das aber notwendig: Sonn- und Feiertage sind die umsatzstärksten Tage im Geschäft. Ohne diese wären die Läden im ländlichen Raum nicht rentabel. 

Rechtlich waren die Öffnungszeiten bislang eine Grauzone. In Baden-Württemberg wurde Anfang 2026 Rechtssicherheit geschaffen durch Änderungen im Ladenöffnungsgesetz. Hier die Eckpunkte:

  • Vollautomatisierte Verkaufsstellen sind Verkaufsstellen, die ausschließlich Waren des täglichen Ge- und Verbrauchs verkaufen.
  • Sie dürfen eine Verkaufsfläche von maximal 150 qm belegen.
  • Sie dürfen unter der Woche rund um die Uhr geöffnet haben. An Sonn- und Feiertagen kann die zuständige Behörde die Öffnungszeiten einschränken. Es müssen jedoch mindestens acht zusammenhängende Stunden Verkaufszeit erlaubt werden.
  • Sie müssen an Sonn- und Feiertagen vollautomatisiert und ohne Verkaufspersonal betrieben werden. Lediglich tagesfrische Backwaren dürfen an Sonn- und Feiertagen aufgefüllt werden.
  • An Karfreitag, Ostersonntag, Pfingstsonntag und am ersten Weihnachtstag müssen die Läden geschlossen bleiben.

Die Nahversorgung im ländlichen Raum wird also gestärkt und der Sonn- und Feiertagsschutz bleibt gewahrt.

So können Gemeinden die Nahversorgung sichern und regionale Produkte stärken

  • Bedarf in der Gemeinde analysieren (Nahversorgungslücken, Einwohnerstruktur, regionale Produkte).
  • Lokale Betreiber bei der Umsetzung von vollautomatisieren Einkaufsmöglichkeiten Unterstützen.
  • Fördermöglichkeiten prüfen und kommunizieren.
  • Kommunale Flächen für Regiomaten bereitstellen.
  • Kooperationen mit regionalen Erzeugern und bestehenden Initiativen fördern.
  • Die Bürgerschaft über die Vorteile sowohl von vollautomatisierten Läden als auch von Regiomaten informieren.

Nachhaltige Kriterien, die bei der Planung berücksichtigt werden sollten:

  • Automaten sollten stromsparend arbeiten und mit erneuerbaren Energien beitrieben werden.
  • Kühlgeräte sollten energieeffizient sein.
  • Das Sortiment sollte überwiegend aus regionalen Erzeugnissen bestehen, um Transportwege zu verkürzen und CO₂-Emissionen zu reduzieren.
  • Es sollten umweltfreundliche Verpackungen verwendet werden.
  • Die Rückgabe von Mehrwegflaschen oder -behältern sollte integriert sein.
  • Regiomaten sollten so aufgestellt werden, dass die Lichtverschmutzung gering gehalten wird.
Bild von Katharina Eckert

Katharina Eckert

Referentin der Geschäftsführung

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