Familien-Kitas

Prekäre oder risikobehaftete Lebenslagen von Familien wirken sich auf die Bildungsverläufe der Kinder ab. Oft konzentrieren sich Familien mit diesen Belastungen in bestimmten Stadtteilen. Dirk Grunert (Bürgermeister in Mannheim) erklärt, wie man hier in besonders belasteten Stadtgebieten mit "Familien-Kitas" entgegenwirken kann.

Familien-Kitas – Unterstützung von belasteten Familien in der Kita

von Dirk Grunert, GAR-Vorsitzender & Bürgermeister Bildung, Jugend, Gesundheit Stadt Mannheim

Bildungschancen junger Menschen hängen in Deutschland nach wie vor maßgeblich von der familiären Herkunft ab. Von besonderen Schwierigkeiten sind Kinder aus einkommensschwachen Familien und zugewanderten Familien betroffen. Es besteht daher die Notwendigkeit, ungünstigen Auswirkungen prekärer oder risikobehafteter Lebenslagen von Familien auf die Bildungsverläufe der Kinder nachhaltig entgegenzuwirken.

Oft konzentrieren sich Familien mit diesen Belastungen in bestimmten Stadtteilen. Die Stadt Mannheim versucht frühzeitig vor Ort zu unterstützen. Die in den Kitas geleistete Bildungsarbeit am Kind, so wertvoll und qualifiziert diese auch ist, erreicht ihre Grenzen, wenn es nicht gelingt, Eltern noch stärker als bisher in Erziehungs- und Bildungsprozesse zu integrieren und die Eltern selbst zu stärken. Daher werden Kitas in besonders belasteten Gebieten zu Familien-Kitas erweitert. Ziel einer Familien-Kita es, in einer Kita über die Kinder hinaus die Eltern gezielt in die präventive Arbeit einzubinden, sie in ihrem Selbstwert und in ihrer erzieherischen Kompetenz zu stärken und sie selbst in prekären Lebenssituationen gezielt zu unterstützen. Im Sinne der Koproduktion sozialpädagogischen Handelns sollten zudem Eltern als „Expert*innen in eigener Sache“ in das Unterstützungssystem eingebunden werden. Sie sollten angeregt werden, sich bei der Klärung von Alltagsfragen wechselseitig behilflich zu sein, ihre Kompetenzen an andere Eltern weiter zu geben und sich so auch untereinander zu stärken. Konkret geht es um die Schaffung niedrigschwelliger Bildungsangebote für Eltern in der Kita, die Schaffung niedrigschwelliger Beratungsangebote in der Kita, Unterstützung der Eltern, erforderliche Förderangebote für ihr Kind annehmen zu können und positiv zu begleiten und eine Lotsenfunktion für Eltern z.B. gegenüber Behörden. Dafür wird eine Vollzeitstelle Sozialarbeiter*in zur Verfügung gestellt.

Das Projekt wurde mit großem Erfolg in einem besonders belasteten Stadtteil umgesetzt und erzielte auf Anhieb sehr gute Ergebnisse. Die niedrigschwellige Beratung unter dem Dach der Kita wurde von den Eltern sehr gut akzeptiert. Positive Effekte konnten unter anderem bei der Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenz als auch bezüglich gesellschaftlicher, kultureller und beruflicher Teilhabe festgestellt werden. Mittlerweile wurde die Ausweitung des Projekts auf fünf weitere Kitas beschlossen, die umgesetzt wird, sobald eine Nutzung der Angebote der Familien-Kita durch die Eltern corona-bedingt wieder möglich ist.

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