Lust auf Ehrenamt wecken – Was Gemeinden für jugendliches Engagement tun können

Vereine klagen über Nachwuchsmangel, Feuerwehren suchen Jugendliche, Sportvereine finden kaum noch Übungsleiter:innen. Gleichzeitig sind viele Jugendliche grundsätzlich bereit, sich zu engagieren. Sie wissen nur oft nicht wie, wo oder warum. Eine neue Studie der Jugendstiftung Baden-Württemberg zeigt jetzt konkret, was junge Menschen vor allem im ländlichen Raum bewegt und was sie bremst. Wir zeigen in diesem Beitrag auf, was ihr als Gemeinderätinnen und -räte tun könnt, um jugendliches Ehrenamt vor Ort zu fördern.

Wie finden Jugendliche den Weg ins Ehrenamt?

Die Jugendstiftung Baden-Württemberg hat 2025 Schüler:innen zwischen 15 und 19 Jahren im ländlichen Raum zu ihrem ehrenamtlichen Engagement befragt. Erfreulich ist, dass 37 Prozent der Befragten Jugendlichen sich ehrenamtlich engagieren. Damit liegen sie gleichauf mit dem durchschnittlichen ehrenamtlichen Engagement aller Altersgruppen in Deutschland, das bei 40 Prozent liegt.

34 Prozent der Jugendlichen können sich ein Engagement vorstellen, und 43 Prozent haben schlicht noch nie ernsthaft darüber nachgedacht. Hier gibt es also viel Potenzial! Nur rund ein Viertel der Nicht-Engagierten lehnt ein Ehrenamt grundsätzlich ab. 

Interessant ist, wie Jugendliche in Ehrenamt kommen. Der mit Abstand stärkste Faktor ist das familiäre Vorbild. Jugendliche, in deren Familie jemand ehrenamtlich aktiv ist, engagieren sich zu 62 Prozent selbst. Ohne dieses Vorbild sind es gerade einmal 17 Prozent. Wer nicht ins Ehrenamt „hineingeboren“ wird, braucht andere Wege. 

Die größten Hindernisse laut Studie: zu wenig Zeit, zu wenig Information über Möglichkeiten und ein großer Altersunterschied zu anderen Ehrenamtlichen. Was Jugendliche zu einem Ehrenamt bewegen würde, sind mehr Infos (vor allem in der Schule und über Social Media), mehr Flexibilität, mehr Anerkennung und konkrete Vorteile für ihr Engagement. Und genau hier können Kommunen ansetzen.

Wie ihr jugendliches Ehrenamt vor Ort fördern könnt

Kooperation zwischen Gemeinde, Schulen & Vereinen

Die Schule ist der wichtigste Zugang für Jugendliche, die nicht über ihre Familie ins Ehrenamt kommen. Ein Gemeinderatsbeschluss kann die Verwaltung beauftragen, gemeinsam mit lokalen Schulen und Vereinen eine Kooperationsvereinbarung zu entwickeln. Ziele können eine regelmäßige Ehrenamtsbörse, Projekttage mit Vereinen oder Sozialpraktika in Vereinen sein.

Im Rahmen dieser Veranstaltungen kann, dass Jugendliche für ihr Ehrenamt in diesem Rahmen explizit gewürdigt werden.

Viele Kommunen vergeben jährlich Ehrenamtspreise. Leider aber meist an Menschen, die sich seit Jahrzehnten engagieren. Jugendliche, die gerade erst anfangen, haben keine Chance. Ein Beschluss, mindestens einen Preis pro Jahr gezielt an Engagierte unter 25 Jahren zu vergeben, ist symbolisch wichtig und praktisch einfach umzusetzen. Anerkennung motiviert!

Vielleicht gibt es bei euch vor Ort die Ehrenamtskarte. Dann könnt ihr euch dafür einsetzen, dass sie auch für Jugendliche möglichst attraktiv ist. Freier Eintritt ins Freibad, vergünstigte ÖPNV-Tickets oder Rabatte auf Konzerte und Festivals sind für Jugendliche interessanter als Ermäßigungen in Schlössern oder Thermen. Ein entsprechender Antrag kann die Verwaltung beauftragen, ein Paket an jugendgerechten Vergünstigungen zu entwickeln.

Wer mitentscheiden kann, bleibt dabei. Jugendliche, die im Jugendgemeinderat erleben, dass ihre Stimme zählt, entwickeln eine Bindung an ihre Gemeinde und damit auch eine größere Bereitschaft, sich anderswo einzubringen.

Die Einrichtung eines solchen Formats ist ein kommunalpolitisches Instrument, das in vielen Gemeinden noch fehlt. Für mehr Infos schaut gerne mal in diesen Beitrag von uns: „Beteiligung von Kindern und Jugendlichen“.

Den Kontakt zu euren Vereinen vor Ort aufzunehmen zeigt eure Wertschätzung und euer Interesse. Um euch für das Ehrenamt allgemein und jugendliches Ehrenamt im speziellen einsetzen zu können, müsst ihr wissen, wo aktuell der Schuh drückt. Bei eurem nächsten Gespräch mit einem Verein oder einer Initiative vor Ort könnt ihr explizit darum bitten, dass auch eine Vertretung der Jugend mit am Tisch sitzt.

Einen guten Überblick über jugendliches Ehrenamt vor Ort kann euch auch euer Stadtjugendring oder Ortsjugendring geben.

Bei der Berichterstattung über Vereine im Ort kommen oft nur die älteren Semester aufs Foto. Da steht dann die/der Bürgermeister:in und daneben die/der Vorsitzende des Sportvereins. Hier können auch jüngere Ehrenamtliche sichtbar gemacht werden!

84 Prozent der engagierten Jugendlichen nennen Social Media als wichtigsten Kanal für Ehrenamtswerbung. Dennoch findet hier kaum etwas statt. Kommunen können diese Lücke überbrücken: 

  • Sie können Lokale Vereine zu einem gemeinsamen Workshop zur Social-Media-Kommunikation zusammenbringen
  • Vorbildhaftes Engagement kann auf den Gemeindekanälen geteilt werden
  • Junge Ehrenamtliche können eingeladen werden, auf dem Gemeindekanal ihre Arbeit öffentlich sichtbar zu machen. 

Dabei gilt: Authentische Kurzvideos von jungen Ehrenamtlichen selbst wirken besser als offizielle Mitteilungen von Vereinen oder der Gemeinde.

Der Qualipass ist ein Angebot der Jugendstiftung BW.  Angeboten werden Vorlagen für Vereine, die mit Zertifikaten das Engagement von Jugendlichen dokumentieren können. In einer Dokumentenmappe können Jugendliche diese Zertifikate sammeln und später beim Berufseinstieg vorlegen. Die Stärken, Kompetenzen und das Engagement von Jugendlichen werden so sichtbar gemacht.

The Länd of Young Ehrenamt

Angesiedelt beim Landesjugendring BW unterstützt das Projekt „The Länd of Young Ehrenamt“ Jugendliche und junge Erwachsene in Vereinen und Verbänden durch verschiedene Beratungsangebote. Vier Regionalstellen sind Ansprechpartner vor Ort. Sie bieten:

Bild von Katharina Eckert

Katharina Eckert

Referentin der Geschäftsführung

Mehr Beiträge

Kirchliche Liegenschaften in der Nachnutzung sichern

Viele kirchliche Liegenschaften stehen in den kommenden Jahren zur Veräußerung. Für Kommunen ergibt sich daraus die Chance, zentrale Flächen für gemeinwohlorientierte Nutzungen und die Quartiersarbeit zu sichern. Eine strategische Herangehensweise ist erforderlich, um frühzeitig zu handeln und wertvolle Potenziale nicht zu verlieren.

Igelschutz: Mähroboter nachts einschränken

Der Igel steht aktuell auf der Roten Liste. Mähroboter können eine Gefahr darstellen. Köln hat nun deren Nutzung entsprechend eingeschränkt. Was bedeutet das für andere Kommunen in Baden-Württemberg?

Bau-Turbo mit Grundsatzbeschluss verantwortungsvoll steuern

Der Bau‑Turbo ermöglicht schnelleres Bauen und bleibt durch klare Leitplanken gezielt steuerbar. Ein kommunaler Grundsatzbeschluss sichert dabei nachhaltige, sozial und klimagerecht ausgerichtete Entscheidungen und stärkt die Innenentwicklung vor der Außenentwicklung.