Pressearbeit in der Kommunalpolitik: So erreicht ihr die lokale Öffentlichkeit

Warum gute Pressearbeit in der Kommunalpolitik wichtig ist

Viele gute kommunalpolitische Initiativen finden nie den Weg in die Zeitung. Nicht, weil sie unwichtig sind. Sondern weil sie nicht pressegerecht aufbereitet sind. Auf lokaler Ebene konkurrieren viele Anliegen miteinander.

Lokalredaktionen arbeiten heute mit knappen Ressourcen und wenig Zeit. Texte müssen für sie schnell erfassbar und direkt verwendbar sein. 

Wer versteht, wie Pressearbeit funktioniert, erhöht die Chance deutlich, mit den eigenen Themen in der Öffentlichkeit sichtbar zu sein. Genau darum geht es in diesem Beitrag.

Welche Pressetexte gibt es und wann setzt man sie ein?

Presseeinladung

Ziel: Die Presse ist über eure Veranstaltung, euren Ortstermin oder eure Aktion informiert und kommt, um zu berichten.

Schickt der Redaktion die Einladung zwei Wochen vorher per E-Mail. Die Eckpunkte (wer, was, wann, wo) müssen auf den ersten Blick klar sein. Auch Organisatorisches ist wichtig, z.B. dass bei Anmeldung Tickets für die Presse an der Abendkasse hinterlegt werden. Benennt ein:e Ansprechpartner:in für die Presse.

Ziel: Eure Terminankündigung erscheint in der Zeitung oder im Veranstaltungskalender.

Mit einer öffentlichen Einladung erreicht ihr auch Leute außerhalb eurer „Bubble“. Erkundigt euch vorab, welche Formate eure Lokalzeitung anbietet. Oft reicht ein sehr kurzer Text mit den wichtigsten Eckpunkten.

Tipp: Unser Beitrag zur zielgruppengerechten Ansprache.

Ziel: Berichterstattung in der Lokalzeitung, auch wenn die Presse bei der Veranstaltung nicht anwesend war.

In der Praxis können Lokaljournalisten nicht zu allen Veranstaltungen kommen. Sie greifen deshalb auf Pressemitteilungen zurück. Je besser die Pressemitteilung geschrieben ist, desto wahrscheinlicher die (ungekürzte) Veröffentlichung. Hier lohnt es sich, Zeit zu investieren!

Leitfrage: Was war der Kern der Veranstaltung? Der Fokus liegt auf Fakten, Beobachtungen und konkreten Details (Zahlen, Stimmung, Ergebnisse usw.). Es geht nicht nur darum, dass eine Veranstaltung stattgefunden hat, sondern warum sie relevant war.

  • Hintergrundinformationen oder politische Einordnungen gehören hier nicht rein.
  • Den Bericht könnt ihr zusätzlich direkt auf eurer Webseite veröffentlichen.

Mit einer politischen Stellungnahme könnt ihr zu einem lokalen Thema Haltung zeigen, einen Missstand kritisieren oder einen eigenen Vorschlag in eine Debatte einbringen. Hier ist es unwahrscheinlich, dass euer Text direkt von der Redaktion übernommen wird. Aber wenn das Thema von Relevanz ist, wird es vielleicht von der Redaktion aufgegriffen. 

In manchen Zeitungen gibt es eine gesonderte Rubrik für regelmäßige Stellungnahmen der Fraktionen. Im Reutlinger Generalanzeiger ist das zum Beispiel die Kolumne „Ziemlich parteiisch“. Erkundigt euch beim Verlag, was in eurer Lokalzeitung möglich ist.

Ein Leserbrief ist eine kurze, namentliche Reaktion auf einen Artikel oder ein aktuelles Thema. Mit einem Leserbrief könnt ihr eine fehlende Perspektive in der lokalen Berichterstattung ergänzen oder eine klare Gegenposition formulieren. Leserbriefe können grundsätzlich von allen geschrieben werden, auch von Kommunalpolitiker:innen. Wichtig ist, dass ihre eure eigene Rolle transparent macht. 

Ob euer Leserbrief (gekürzt oder ungekürzt) erscheint, ist die Entscheidung der Redaktion. Schreibt kompakt, auf einen konkreten Anlass bezogen und bleibt sachlich!

Ein weiteres Format, mit dem Lokalpolitiker in die Lokalpresse kommen können, ist das Porträt einer Person. Wenn z.B. ein Fraktionsmitglied nach vielen Jahren aus dem Gemeinderat ausscheidet, kann vorab ein Porträt in der Lokalzeitung erscheinen. Wenn ein solches Jubiläum oder ein Abschied bei euch ansteht, dann lohnt es sich, die Presse darauf aufmerksam zu machen.

In der Karenzzeit, also in den Wochen oder Monaten vor den Wahlen, wird stark eingeschränkt, was und wo Parteien und Fraktionen noch veröffentlichen dürfen. Hier kommen Zeitungsanzeigen ins Spiel! 

Ihr könnt mit bezahlten Anzeigen in Lokalzeitungen und Amtsblättern zu Veranstaltungen einladen oder Werbung für Kandidierende machen. Es ist nicht günstig, kann sich aber lohnen. Bitte beachtet die neue EU-Verordnung über Transparenz und Targeting politischer Werbung (TTPA).

So schreibt ihr gute Pressetexte

Aufbau
  • Das Wichtigste zuerst: direkt im ersten Satz die Fragen „Wer“ und „Was“ beantworten.
  • Alle wichtigen Punkte müssen enthalten sein: Wer? Was? Wann? Wo? Wie? Warum?
  • Der Text muss klares Ziel haben. Entweder ich lade zu einer Podiumsdiskussion ein, oder ich gebe ein politisches Statement ab.
  • Vollständige Absender-Adresse und Datum angeben. Es muss klar zu erkennen sein, wer ihr seid, welches Amt ihr habt und im Namen von welcher Fraktion / Liste /Kreisverband ihr schreibt.
  • Ansprechpartner:in mit Kontaktdaten nennen, falls die Redaktion noch fragen hat.
  • Mail-Betreff und Überschrift müssen inhaltlich eindeutig sein. Die Überschrift muss Interesse wecken.
  • Die Texte müssen inhaltlich und optisch gut strukturiert sein.
  • Ein ausdrucksstarkes Foto im Anhang: Fotograf:in angeben, Einverständnis der Fotografierten einholen, Bilder mit erkennbaren Kindern vermeiden.
Sprache: Klar und Konkret
  • Aktive Verben nutzen, Passiv vermeiden.
  • Formulierungen mit „man“ vermeiden.
  • Fremdwörter und Fachbegriffe erklären oder vermeiden.
  • Abkürzungen sparsam verwenden.
  • Auf Substantivierung verzichten. Also Wörter mit „-ung“, „-heit“, „-keit“, „-tion“ vermeiden und besser durch Verben ersetzen. Beispiel: Nicht „Die Förderung der Nahmobilität führt zu einer Verbesserung der Lebensqualität“. Sondern: „Wir fördern die Nahmobilität und verbessern so die Lebensqualität“.
  • Kurz fassen: Nicht mehr als eine Seite, kein Satz länger als 15 Worte.
  • Keine lange Einleitung, keine Hintergrundinfos, keine Allgemeinplätze, keine Selbstbeweihräucherung. Kommt auf den Punkt!
  • Rechtschreibung überprüfen.
Zitate richtig einsetzen

Zu einer Pressemitteilung gehört ein gutes Zitat. Wenn man zwei konträre Ansichten verdeutlichen möchte, können es auch zwei Zitate sein. Das Zitat wird organisch in den Text der Pressemitteilung eingebaut. Es muss immer angegeben werden, wer es gesagt hat und welche Funktion diese Person hat.  Es ist nicht länger als zwei bis drei Sätze und erfüllt eines dieser Kriterien:

  • Klare politische Haltung: „Bezahlbarer Wohnraum entscheidet darüber, ob Familien in unserer Gemeinde bleiben können. Deshalb müssen wir jetzt handeln.“
  • Konkreter Nutzen für Menschen: „Für viele Pendlerinnen und Pendler bedeutet der fehlende Bus am Abend, dass sie früher nach Hause müssen oder gar nicht teilnehmen können. Das wollen wir ändern.“
  • Einordnung oder Perspektive: „Wenn wir heute nicht in die Infrastruktur investieren, zahlen wir morgen doppelt: finanziell und gesellschaftlich.“
  • Persönlicher Bezug: „Ich habe viele Gespräche mit Eltern geführt. Die Sorge um Betreuungsplätze ist gerade eines der drängendsten Themen.“

Negativbeispiele: „Die Veranstaltung war sehr erfolgreich und gut besucht.“ – „Für das leibliche Wohl war gesorgt und alle hatten eine gute Zeit.“ – „Das habe ich ja schon immer gesagt.“

Versand: Wann, an wen und in welcher Form?

  • Wann: Einladungen ca. 14 Tage vorher. Alles andere: so bald wie möglich.
  • An wen: An die zentrale Redaktionsadresse.
  • Wie: Text direkt in eine Mail schreiben, Fotos als jpg anhängen. Keine PDFs oder Word-Dateien.

Tipp aus der Praxis: Bringt wichtige Reden oder Statements im Gemeinderat ausgedruckt mit und gebt sie der Presse vor Ort. Das erhöht die Chance auf treffende Zitate.

Fazit

Wer seine Themen gezielt kommuniziert und die Arbeitsweise von Redaktionen kennt, hat deutlich bessere Chancen, gehört zu werden.

Damit ihr direkt loslegen könnt, findet ihr im Mitgliederbereich praktische Unterstützung.

Bild von Katharina Eckert

Katharina Eckert

Referentin der Geschäftsführung

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